deconarch.com http://www.canchuo79.top eMagazine on ARTitecture | Art and Architecture Wed, 16 Sep 2020 18:27:32 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.4.2 ?Der Comic scheint mir das ideale Medium für die Darstellung von Architektur zu sein.“ INTERVIEW mit Matthias Gnehm http://www.canchuo79.top/der-comic-scheint-mir-das-ideale-medium-fuer-die-darstellung-von-architektur-zu-sein-interview-mit-matthias-gnehm/ Sun, 04 Oct 2020 08:10:40 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23653 more »]]> Wie kommt ein Architekt zum Comic-Zeichnen? Seit 1998 ver?ffentlicht der Zürcher Matthias Gnehm Comic-Bücher, die sich Architektur-Themen drehen; zw?lf „Archi-Comics“ sind bislang erschienen.

Das jüngste Buch, Salzhunger, ist 2019 bei Edition Moderne erschienen, ein Thriller um den Kampf gegen ein global agierendes Rohstoffunternehmen, der in Zürich und Lagos spielt: ?Wei?t du, was ich denke?“, sagt Anthony Nwoko zu Arno Beder, ?Alles ist fade geworden. Du hast keinen Appetit mehr auf dein Leben. Du hast keinen Salzhunger mehr.“ Doch als Arno Zeuge der T?tung eines Jugendlichen bei der widerrechtlichen Zerst?rung eines Slums wird, weckt ihn dies aus seiner Lethargie und er findet schlie?lich seine Bestimmung. (Mehr Infos zum Buch)

Salzhunger, Edition Moderne, Zürich, 2019, Seite 151

Beeinflusst der Hintergrund in der Architektur die Arbeit am grafischen Erz?hlen? Welche M?glichkeiten er?ffnen sich dabei? Und nicht zuletzt- wie entsteht ein „Archi-Comic“? deconarch.com hat bei Matthias Gnehm nachgefragt!

all illus. (c) Matthias Gnehm
www.matthiasgnehm.ch

INTERVIEW

Matthias, du bist Architekt, arbeitest heute aber nur noch als Comic-Autor. Wie kam es dazu?

Es war umgekehrt. Ich war immer schon Comiczeichner – oder jedenfalls hatte ich das Gefühl, ich sei einer, damals, als ich noch ein Kind war. Ich kopierte Tim und Struppi, Lucky Luke und Asterix, zeichnete Seeschlachten und Westernduelle, dann kamen die Weltkriege und Star Wars. Da meine Eltern ein Einfamilienhaus bauten, bekam ich die Architekturpl?ne zu sehen, und, vielleicht weit wichtiger, ein filigranes Holzmodell des Bauvorhabens. Diese miniaturisierte Welt hat mich dann lange fasziniert, was zu einer Reihe von selbst gebauten Modelleisenbahnh?usern führte – es waren die Nachbildungen der Bauten rund um den kleinen Bahnhof des Dorfs, in dem ich aufgewachsen bin. 

Modellh?user Küngoldingen, Ma?stab 1 zu 160, 1984

Inspiriert durch die Architekturpl?ne des Einfamilienhauses entwarf ich dann auch eine Villa. Mit einem hohen Wohnraum, der ein paar Treppenstufen tiefer lag als die R?ume des Erdgeschosses, mit einem Treppenturm, der von einem spitzen Ziegeldach gekr?nt wurde. Das Haus hatte gro?e Fenster, die aber durch Sprossen unterteilt waren und dem ziegeldachbedeckten Haus eine durchaus traditionelle, l?ndliche Note verliehen. Mit etwa fünfzehn Jahren verbrachte ich dann einen Schnuppertag in einem lokalen Architekturbüro. Ich bekam die Aufgabe, mein Zimmer zu zeichnen. Die erstaunte Reaktion des Architekten auf meine Zeichnung zeigte mir, dass er wohl einen Grundriss erwartet hatte und keine r?umliche Perspektive mit zwei Fluchtpunkten. 

Schauplatz für einen Comic, 1992 (Skizze)

Noch w?hrend des Gymnasiums zeichnete und schrieb ich dann meinen ersten langen Comic. Der blieb zwar in der Schublade, aber ich wusste nun, dass mich dieses Arbeiten sehr glücklich macht. Nach der Matura besuchte ich den Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Zürich und begann danach mit dem Schreiben und Zeichnen des Szenarios für einen Comic, der in einer selbst entworfenen Stadt spielen sollte. Eine dramatische Geschichte um ein junges Paar, das in die Machenschaften eines dubiosen Tycoons – der in einer über der Stadt thronenden Supervilla lebte – hineingezogen wird. Nach einem Jahr Arbeit daran machten mich meine Eltern sanft darauf aufmerksam, dass ich nicht ewig bei ihnen wohnen und arbeiten k?nne, aber dass sie mich beim Abschluss meiner Ausbildung unterstützen würden. Diese Ausbildung k?nne auch die zum Comiczeichner sein. Nun, damals gab es in der Schweiz keine solche Ausbildung. Bekannt waren mir Schulen in Frankreich oder in Belgien, doch ich entschied mich für das Architekturstudium an der ETH Zürich – ein Entscheid, den ich nie bereut habe.

Wie beeinflusst die Architektur deine Arbeit am Comic?

Im Studium wurde mir schnell klar, dass das Sch?nste am Architektenberuf das Entwerfen ist und dass mich die organisatorischen Aspekte weniger interessierten – etwas, was ich auch w?hrend meines Praktikumsjahrs bei Herzog & de Meuron best?tigt sah. Bevorzugtes Mittel des Entwurfs im Studium waren für mich die von Hand, mit Kreide und Bleistift, gezeichneten Perspektiven meiner Projekte, eine Arbeitsweise, die auch von meinen Diplomprofessor Hans Kollhoff gef?rdert wurde. Und genau dieses Darstellen von R?umen sollte in der Folge ein zentraler Aspekt meiner Arbeit als Comiczeichner werden. In welchen R?umen spielt die Geschichte? Wie erfahren die Figuren die R?ume, in denen sie sich bewegen? Welche Raumfolgen führen die Figuren in die Situationen, die zu ihrem Schicksal werden? Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob die R?ume Vorbilder in der Realit?t haben oder aber frei erfunden sind. Bis heute bin ich auch dieser Zeichentechnik treu geblieben: Ich zeichne mit weichen Pastellkreiden und Bleistift. 

Salzhunger, Edition Moderne, Zürich, 2019; Seite 138

Bietet das Medium Comic besondere M?glichkeiten für die Darstellung von Architektur oder den Zugang zur Architektur?

Im Comic kann die gezeichnete Architektur mit Leben gefüllt werden. Im Unterschied zu einer Architekturillustration, auf der zwar auch Figuren abgebildet sind, die in einer eingefrorenen Bewegung gezeigt werden, kann im Comic die Illusion einer Bewegung nicht nur im Raum, sondern auch in der Zeit erzeugt werden. Dieses Zeiterlebnis wird durch das sequenzielle Anordnen der einzelnen Bilder erzeugt. Im Unterschied zum Film bleibt aber das Zusammenfügen dieser Bildsequenzen zu einem kontinuierlichen Raum-Zeit-Fluss Sache der Betrachterin. Diese entscheidet, wie schnell oder wie langsam sich die Szene abspielt, die in einer solchen Bildsequenz erz?hlt wird. Sie kann in den dargestellten R?umen so lange verweilen, wie sie will. Der Comic scheint mir das ideale Medium für die Darstellung von Architektur zu sein.

Wie entstehen deine Bücher, wie die Geschichten?

Das kann ganz unterschiedlich sein. Bei ?Tod eines Bankiers“ hatte ich Lust, einen neuen Stadtteil für Zürich, direkt am See, zu entwerfen, und darin die Geschichte spielen zu lassen. Da ich in dieser Stadtplanung einen gigantischen Hochhausturm entwarf, folgte in einem zweiten Schritt die Frage nach der Bauherrschaft für einen solchen Gigantismus. Wer in Zürich würde so etwas bauen, wenn nicht eine Bank? Und so entwickelten sich wie von alleine die Figuren rund um diese Bankenwelt, die für einmal, ganz unzürcherisch, gro? klotzen und sich auch ihrer Verschwiegenheit entledigen mit dem global lancierten Versuch, aus dem Tod DAS Gesch?ft zu machen.

Auszug aus: Tod eines Bankiers, Edition Moderne, Zürich, 2004

Anders war es in meinem zuletzt erschienenen Buch ?Salzhunger“. Anfangs wusste ich nur, dass ich eine Geschichte rund um die Frage der Rohstoffgewinnung und des globalen Rohstoffhandels erz?hlen wollte, es sollte ums Erd?l gehen. Klar war auch, dass die Schweiz eine gro?e Dichte an solchen Rohstofffirmen hat und dass Zürich wiederum ein geeigneter Schauplatz für die Herkunft eines Teils der Figuren sein würde. Was noch fehlte, war ein Schauplatz in einem vom Rohstoff-Fluch gepr?gten Land, der ideal für die Darstellung der verschlungenen Wege des globalen Rohstoffhandels sein würde. Schlussendlich war es wohl eher Neugier, die mich Lagos w?hlen lie? – endlich hatte ich einen Grund, diese Mega-City in Nigeria für die Recherche für meine Geschichte selbst zu besuchen. Was ich aber dort erlebte, konnte ich weder planen, noch war es anfangs Teil der Geschichte: Ich wurde Zeuge der gewaltsamen R?umung des Slums Otodo Gbame, bei der 30.000 Bewohner vertrieben, alle ihre kunstvoll in und an der gro?en Lagune von Lagos gebauten H?user niedergerissen und verbrannt wurden und bei der tags zuvor ein Jugendlicher get?tet worden war, weil er sich dagegen wehrte. So kam schlussendlich ein Thema in die Geschichte, das mir vorher in dieser Klarheit nicht bewusst war: Die Investitionen für ein solches rein spekulatives Neubauprojekt, dem dieser Slum weichen musste, stammen nicht zuletzt aus dem Rohstoffhandel – einem Handel, an dem vor allem die global t?tigen Rohstoffriesen, unter anderem mit Sitz in der Schweiz, und einige wenige lokale Akteure in den Staaten, in denen der Rohstoff gewonnen wird, profitieren. Das Architekturthema kam hier erst am Schluss dazu, in einer ihrer h?sslichsten Verstrickung.

Matthias, herzlichen Dank für die Einblicke in die Welt des Comic-Zeichnens!

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Turit Fr?be | Architekturpolitik in Finnland: Wie Baukulturelle Bildung gelingen kann _ REVIEW http://www.canchuo79.top/turit-froebe-architekturpolitik-in-finnland-wie-baukulturelle-bildung-gelingen-kann-review/ Wed, 16 Sep 2020 18:05:05 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23669 more »]]> Seit der Pisa-Studie lange p?dagogisches Musterland, seit einigen Jahren das einzige Land mit einer rein weiblichen Führungsspitze in der Regierung – und nun spielt Finnland also auch in der Architekturpolitik ganz vorne mit?

Wie machen die das? 

Turit Fr?be, Urbanistin und passionierte Baukulturvermittlerin, die sich vor allem mit ihrer leidenschaftlichen Besch?ftigung mit Bausünden einen Namen gemacht hat, stellt in ihrem neuesten Buch die Ergebnisse einer Feldstudie vor, in der sie der international rezipierten finnischen Architekturpolitik nachgespürt hat. Wie erfolgreich ist diese? Und weswegen? Ist es gelungen, die baukulturelle Bildung im Bildungssystem zu verankern – und wenn ja, in welcher Weise? Was k?nnen L?nder wie Deutschland aus den finnischen Erfahrungen lernen?

In sechs Kapiteln beleuchtet Fr?be diese Fragen. Sch?n ist, dass fast jedes Kapitel mit einem Fazit endet, in dem die wichtigsten Beobachtungen noch einmal konzentriert zusammengefasst werden. Der Stil ist etwas akademisch-steif, man spürt die Studie. Ergebnisse werden zusammengefasst, Gespr?che und Interviews h?ufig in indirekten Zitaten wiedergegeben. Das liest sich nicht ganz so leicht, auch wenn es dem Informationsgehalt des Buches natürlich keinen Abbruch tut.

Den meisten LeserInnen dürfte Finnland nicht wirklich n?her bekannt sein. Spannend ist daher Fr?bes einführender Blick auf die architektonische Situation des Landes (die sie auch immer wieder in Vergleich zu Deutschland stellt). Erstaunlich ist die besondere Affinit?t der Finnen zur Architektur, die im Nation Building-Prozess des kleinen (5,5 Millionen Einwohner) und jungen Landes (Nation Building setzt erst etwa um 1800 ein) eine betr?chtliche Rolle gespielt hat. Allein dies markiert einen gravierenden Unterschied zu Deutschland, der sich auch in der Art der Baupolitik niederschl?gt.

Tats?chlich hat Finnland, als eines der ersten L?nder Europas, seit 1998 eine offizielle Architekturpolitik verabschiedet, die unter anderem auch darauf zielt, das Bauen systematisch in das Bildungssystem zu integrieren. Fr?be zeichnet die Entwicklungen seither ausführlich nach; sch?n w?re noch gewesen, wenn das Buch auch eine (natürlich übersetzte) Version der nur kurzen offiziellen Erkl?rung zur Architekturpolitik Finnlands aufgeführt h?tte. Erstaunlich im Sinne der Transparenz und Fairness ist, wie offen und selbstkritisch die finnischen Gespr?chspartnerInnen der Autorin auch darüber, welche Zielsetzungen nicht erreicht wurden (tats?chlich wurden nur neun von 24 Zielsetzungen erreicht – und damit dennoch einiges mehr als etwa in Deutschland) – und warum: Auch im Musterland Finnland gibt es etwa interministeriellen Schwierigkeiten in der Umsetzung gro? angelegter vision?rer Zielsetzung.

Aktuell ist Finnland dabei, eine neue, verbesserte und aktualisierte Version ihrer Architekturpolitik zu erarbeiten.

Turit Fr?be, Architekturpolitik in Finnland: Wie Baukulturelle Bildung gelingen kann, Jovis Verlag, Berlin 2020, Link

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?Es geht nichts über ein Original“ INTERVIEW mit A. W. Sch?ps http://www.canchuo79.top/es-geht-nichts-ueber-ein-original-interview-mit-a-w-schoeps/ Tue, 25 Aug 2020 09:20:59 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23605 more »]]>
Die Kontraste und Differenzen der Natur, die Zusammenh?nge zwischen Gewachsen und Gemacht faszinieren A. W. Sch?ps. Architektur und Strukturen besch?ftigen die Künstlerin ebenso wie Innen- und Au?enr?ume. Vor allem aus Holz arbeitet A. W. Sch?ps ihre „CUTs“ heraus und kombiniert sie mit gemalten Szenerien Auf den ersten Blick wirken die Arbeiten wie Malerei auf Glas – eine ungewollte Folge der Digitalisierung: auf Abbildungen l?sst sich die Tiefe der Arbeiten nicht nachvollziehen, die Erfahrung vor dem Original nicht ersetzen.
CUT! - RaumSchnitt I/IX Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019
CUT! – RaumSchnitt I/IX
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019

Es ist immer wieder die Reaktion auf die Architektur, die sich in den Arbeiten abzeichnet. Innen – au?en, gebaut – natürlich, Beton, Glas, Stahl stehen Pflanzen, Blumen, Grün gegenüber – oder daneben?

Im Interview mit deconarch.com berichtet A. W. Sch?ps, wie ihre Arbeiten entstehen, wie sich Themen und Motive entwickeln und wie ihr Hintergrund in der Innenarchitektur in ihre Kunst hineinwirkt.

all illus. (c) A.W.Sch?ps
www.a.w.schoeps-atelier.de

www.instagram.com/awschoeps

INTERVIEW 

In Ihren CUTs fokussieren Sie den Blick des Betrachters in einer strengen Zentralperspektive auf architektonische Kontraste. Wie ist Ihr Arbeitsprozess: Gehen Sie konzeptionell vor oder ?finden“ Sie Ihre Themen w?hrend des Arbeitens? 

Die konzeptionelle Herangehensweise ist definitiv Kern meiner Arbeit, trotzdem lasse ich auf jeden Fall auch Spielraum für Erg?nzungen und überlegungen, die sich oftmals im Fortschritt einer Arbeit, in einer Werkserie auftun. An sich liegt aber eine übergeordnete Idee zugrunde, die ich über die CUTs im Material als Ausdrucksmittel erg?nze – und m?glichst verst?rke. Deshalb arbeite ich auch auf und mit Holz, denn hier habe ich alle M?glichkeiten: sowohl filigranes Herausarbeiten (früher) als auch einfache, pr?zise Schnitte (heute). 

Architektur trifft Natur I/X:  Ein- & Aufgangs-T-r?ume I Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2016
Architektur trifft Natur I/X: Ein- & Aufgangs-T-r?ume I
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2016

In den letzten Jahren besch?ftigen Sie sich viel mit Architektur und Natur. Wie entwickeln sich Ihre Motive hier? 

Ja, ich leite unterschiedliche Arbeiten aus diesem Themenkomplex ab. Das k?nnen reale, faszinierende Architekturwelten sein, die ich mit gro?en üppigen und farbenpr?chtigen Blumenwiesen kombiniere und so versuche, diese unterschiedlichen Welten zu erg?nzen oder sich gegenüberzustellen. Oder alte Hütten, l?ngst vergessene Paradiese, die mit ihrem verfallenem Charme (noch) existieren: Lange standen diese Grundstücke im Bebauungs-?Visier“ (deshalb hier die CUTs). Mittlerweile sind es tats?chlich ?nur noch“ stadtnahe Naturparadiese für alle. Mensch und Natur – kein ?entweder oder“. Diesen Prozess versuche ich mit Malerei und Zeichnung dazustellen. 

Auch hilft mir die Natur bei verschiedenen Arbeiten zur Untersuchung von gebauter Architektur: Die dynamische ?Architektur der B?ume“ ist durch die Reduzierung im Holz als filigranes Gebilde sichtbar und ?hnelt manch ?natürlich“ Gebautem.

Lebenslinien Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2019
Lebenslinien
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2019

Wichtig ist mir zudem auch der Materialkontrast meiner Bilder zum Hintergrund- und Tr?germaterial: Hier nutze ich fast ausschlie?lich hochgl?nzendes, farbloses und kratzfest beschichtetes Plexiglas, welches meinen Bildobjekten zus?tzliche Leichtigkeit verleiht. Au?erdem erreiche ich hiermit ein Licht- und Schattenspiel, oftmals über die Schnitttiefe hinweg.

Warum eigentlich der Titel CUT? Wie kommt es dazu?

Viele Betrachter meiner Bilder denken zuerst, es handle sich um Malerei auf Glas. Dass ich Teilbereiche aus Holz herausarbeite (in den ?CutOuts“) ist das eine; bei meinen aktuellen Arbeiten sind es aber vor allem eindeutige, kurze ?Cuts“. Deshalb benenne ich dies auch in den Titeln. Leider l?sst sich auf Fotos bzw. in der digitalen Welt dieser Tiefencharakter meiner Arbeiten nur sehr schwer einfangen. Es geht eben nichts über ein Original! 

Sehr gerne h?tte ich eine Schreinerlehre gemacht; tats?chlich wurde es ein 12-monatiges Praktikum vor meinem Studium. Als ich dann vor vielen Jahren mit meinen ersten, collagenartigen Malereien begann, war klar, dass ich mit Schichtholz arbeite. Die Kombination mit dem Glashintergrund habe ich ebenfalls von Anfang an beibehalten.

Architektur trifft Natur V/X:  Ein- & Aufgangs-T-r?ume V Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2017
Architektur trifft Natur V/X:
Ein- & Aufgangs-T-r?ume V
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2017

Verraten Sie uns, wie eine Arbeit praktisch entsteht?

Aktuell arbeite ich an der Serie ?CUT! – Nature Now“: Auch hier inspiriert mich das Thema Vergangenheit und Zukunft von Natur und architektonischen Landschaften ganz unterschiedlich. Einerseits die unterschiedlichen Ans?tze, Natur im urbanen Lebensraum zu integrieren, w?hrend andererseits heftige Naturkatastrophen nebenan unsere W?lder kurzerhand bizarr zerst?ren: Der ?Cut“ setzt die Grenze zwischen dem gewesenen Hier und verdeutlicht das Jetzt, kombiniert mit einer fiktiven Bebauungszeichnung im Hintergrund. 

Ich arbeite parallel an meinen Werken: Sind die Ideen fertig skizziert, folgt die Vorlage auf dem gew?hlten, meist quadratischen Format für die Schnitte im Holz – oftmals sehr aufwendig ges?gt. Natürlich wird auch geschliffen und gefeilt, alles grundiert und mit Acrylfarbe nun das Bild gemalt, welches sich schon l?ngst, fast fertig, in meinem Kopf befindet. 

Au?erdem habe ich Skizzenbücher, an denen ich oft sogar t?glich arbeite – Skizzen, Anmerkungen, Konzepte, Ideen … Manchmal gibt es auch nur ein Foto oder Thema und der architektonische Aspekt flie?t sp?ter erst mit ein. Bevor ich dann tats?chlich meine Werke aus Holz zu bearbeiten beginne, h?ngen diese meist als 1:1-Zeichnungen – manchmal auch kombiniert mit Fotoausdrucken – an einer Wand, an der ich immer vorbeikomme, so dass ich sie laufend gedanklich überarbeite.

 CUT! -RaumSchnitt V/IX Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019
CUT! -RaumSchnitt V/IX
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019

Sie sind von der Innenarchitektur zur Bildenden Kunst gekommen. Beeinflusst die fachliche Ausbildung Ihre Arbeit – und wenn ja, wie?

Da ich von der Innenarchitektur meinen Weg zur Bildenden Kunst gefunden habe, liegt mir die Konzepterstellung sehr nahe, ebenso das Spiel mit (Material-)Kontrasten, Licht und Schatten. Die architektonische Auseinandersetzung und die Faszination für Konstruktionen, Kombinationen und Verh?ltnisse sind von Anfang an gegeben und finden sich sicherlich auch immer irgendwie in meinen Arbeiten wieder.

Den Zusammenhang meiner T?tigkeit als Innenarchitektin, d. h. vor allem Lichtplanungen und Umbauten, und meiner  jetzigen künstlerischen Arbeits- und Sichtweise m?chte ich in meiner n?chsten Werkserie gerne umsetzen: Die ?Entstehung von neuen R?umlichkeiten“, eine Kombination von Baustellencharme mit einer gro?en Prise aufzubringender Geduld.

Wer inspiriert Sie? Gibt es Vorbilder? 

Natürlich besch?ftige ich mich nach wie vor mit dem Thema Architektur, bin auf dem Laufenden, lese online, Zeitschriften. Ich freue mich aber vor allem immer wieder, auch andere aktuelle ?architektonische Bildwerke“, gemalt oder fotografiert, zu entdecken – und natürlich gebaute Architektur, mit viel Licht und Schatten. Die Bauhaus-Künstler, Richard Neutra, Carlo Scarpa und andere sind ebenfalls sehr inspirierende Quellen! 

Aber Vorbilder in dem Sinne, nein … es ist meine ganz eigene Formensprache!

A. W. Sch?ps – herzlichen Dank für die Einblicke hinter die Kulissen Ihrer Arbeit!

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CUT! – RaumSchnitt I/IX Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019 CUT! - RaumSchnitt I/IX Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019 Architektur trifft Natur I/X: Ein- & Aufgangs-T-r?ume I Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2016 Architektur trifft Natur I/X: Ein- & Aufgangs-T-r?ume I Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2016 Lebenslinien Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2019 Lebenslinien Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2019 Architektur trifft Natur V/X: Ein- & Aufgangs-T-r?ume V Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2017 Architektur trifft Natur V/X: Ein- & Aufgangs-T-r?ume V Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2017 CUT! -RaumSchnitt V/IX Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019 CUT! -RaumSchnitt V/IX Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019
„Die Fundstücke ?ffnen den Raum auf andere Weise.“ reloaded: INTERVIEW mit Kai Richter http://www.canchuo79.top/die-fundstuecke-oeffnen-den-raum-auf-andere-weise-reloaded-interview-mit-kai-richter/ Tue, 23 Jun 2020 09:59:52 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23579 more »]]>

Zeit für einen Blick zurück: Im August 2013 ging das erste Interview mit dem Düsseldorfer Bildhauer Kai Richter online. Nun haben wir nachgefragt, wie der aktuelle Stand seiner Arbeit ist, was hat sich ver?ndert? Welche Entwicklungen haben sich getan?

W?hrend Richter früher mit typischen ?Baumaterialien“ wie Doka-Tr?gern oder Gerüstelementen gearbeitet hat, sind die neuen Arbeiten reine ?Fundstücke“, die er nicht mehr weiter bearbeitet, sondern im Raum arrangiert – etwa Beton-Bohrkerne, die wie Stelen inszeniert sind. WAs hat es damit auf sich? Welche Fragen besch?ftigen ihn heute? deconarch.com hat nachgefragt.

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Einblicke in die aktuelle Ausstellung
all illustr. (c) Kai Richter

INTERVIEW

Kai, in unserem letzten Interview 2013 haben wir darüber gesprochen, dass du vor allem mit typischen ?Baumaterialien“ wie Doka-Tr?gern oder Gerüstelementen arbeitest. Der bauliche Aspekte forderte dich damals heraus, denn Baumaterialien eigenen sich, ganz banal gesagt, gut zum Bauen: Sie haben konstruktives Potenzial, im Prozess entsteht etwas.   Deine neuen Arbeiten sind ?Fundstücke“, die du nicht mehr weiter bearbeitest – etwa die Beton-Bohrkerne, die wie Stelen inszeniert sind. Was hat es damit auf sich?

Im Grunde sind meine Themen dieselben geblieben, nur die Methoden nicht. Dies ergab sich m?glicherweise zuf?llig! Einmal fuhr ich wie gewohnt ins Atelier. Dabei sah ich, wie Handwerker Betonringe schnitten. Sie warfen die nicht zu gebrauchenden Ringe in den Container. Sie zerbrachen in viele Teile. Ich hielt an und versicherte den Handwerkern: Ich komme sp?ter mit dem richtigen Fahrzeug und hole die Ringe! 

Im Atelier konnte ich zun?chst nicht viel mit den Ringen anfangen. Es hat l?nger gedauert, bis ich die einfachste L?sung fand: Die Ringe einfach gegeneinander zu stellen und ein Volumen zu ?ffnen. Die Konstruktion ist natürlich sehr fragil und berührungsempfindlich. Auch dadurch ?ndert sich der Raum. 

In San Vito habe ich vier historische Backsteine geschenkt bekommen. Auch diese standen sehr lange in meiner Werkstatt. Sie mussten Kontakt zu anderen Fundstücken aufbauen. Das hat mein Denken stark ver?ndert. Es hilft mir auch, mich als Bildhauer einzugrenzen. Ich versuche der Kunst aus dem Weg zu gehen, um sie nicht mehr so stark durch mich zu beeinflussen. 

In der K?lner Galerie Christian Lethert zeigst du gerade eine Ausstellung mit Fundstücken … 

Die Fundstücke, gerade in K?ln zu sehen, gehen mit Zeit um. Zeit, erlebte Zeit, war immer ein wichtiger Faktor für mich. Baumaterialien, gebraucht, schon in Benutzung gewesen, bekommen eine Patina. Die Patina erz?hlt die Geschichte der jeweiligen Teile. Was hat mir die Welt zu bieten? Was kann ich an ihr denken? Wie offen bin ich? Und welche Fragen stellen sie künstlerisch und wie reagieren sie aufeinander? 

Wie entscheidest du, welche Fundstücke zum Werk werden? 

Mein Blick hat sich ver?ndert. Ich suche nicht, schaue aber viel. 99,9% der Fundstücke sind v?llig unbrauchbar. Es geht darum, die Dinge zu erkennen. Und dann einen Umgang damit zu finden. Die Entscheidung, ob ein Fundstück zur Arbeit wird, kann l?nger dauern. Sie h?ngt davon ab, was die Fundstücke erz?hlen k?nnen, ob sie mich vor Fragen stellen. 

Wie gehen sie mit dem Raum um? Wie erweitern sie meine M?glichkeiten, mit dem Raum umzugehen? Sie bringen mich dazu mein Denken zu erweitern, dem Raum anders zu begegnen? L?sungen zu finden, L?sungen, die ich vor dem Raum nicht denken konnte. 

Jeder Raum ist eine Herausforderung für mich! 

Schon in unserem ersten Gespr?ch sprachen wir darüber, wie dich besonders der Entstehungsprozess von Bauten interessiert, also gewisserma?en das Dynamische in der Architektur, die ja, wenn sie dann fertig ist, mehr oder weniger statisch ist und sich nicht mehr wirklich ver?ndert? 

Eine Skulptur im Raum, einmal aufgebaut, behauptet sich ja nicht durch st?ndiges Umbauen. Für die Zeit der Ausstellung bleibt sie eine Behauptung, festgefügt. Genau wie bei fertiger Architektur. Mich interessieren nach wie vor die Raumfragen in Bezug auf die M?glichkeiten der Skulptur. 

Warum ?baust“ du? Oder anders gefragt: Warum Skulptur? 

Warum baue ich? Das Physische beim ?Bauen“ ist wichtig – meine K?rpergr??e, komme ich an bestimmte Stellen oder ist mein Arm doch zu kurz? Ist das Material zu schwer, um es an den vorgesehen Ort zu platzieren? H?lt das überhaupt? Das direkt Emotionale spielt eine wesentliche Rolle. 

Ich gehe mit einem genau durchdachten Plan in R?ume. Positiv ist es, wenn ich L?sungen finde, die ich beim Planen noch nicht denken konnte. Die Fundstücke ?ffnen den Raum auf andere Weise. Die Rauml?sungen werden dabei breiter. So kann ich den Raum anders begegnen. 

Zur Skulptur bin ich über die Besch?ftigung mit Kunst gekommen, ich glaube, ?Entwicklung“ ist ein guter Begriff dafür. Vor allem ist es immer Neugierde, die mich motiviert. Raumfragen. Darüber hinaus kann ich durch die skulpturale Arbeit visuell denken, das hei?t zu L?sungen kommen, die ich vorher nicht denken konnte. Ein Wechselspiel zwischen dem Denken und der praktischen Arbeit. 

Kai, herzlichen Dank für den neuen Einblick in deine Arbeit!

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Schreiben für Architektinnen und Architekten? http://www.canchuo79.top/schreiben-fuer-architektinnen-und-architekten/ http://www.canchuo79.top/schreiben-fuer-architektinnen-und-architekten/#respond Fri, 12 Jun 2020 15:09:45 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23568 more »]]>

ArchitektInnen zeichnen, planen, entwerfen – aber schreiben? ArchitektInnen müssen doch nicht schreiben. Und in der Tat müssen sie in ihrem Berufsalltag keine Schriftstücke abliefern, im Studium werden keine umfangreichen Hausarbeiten verlangt. Erwartet wird, wie in vielen kreativen Bereichen, ein ?Produkt“ – ein Entwurf, ein Konzept. Salopp gesagt: Am Ende der Arbeit eines ArchitektInnen steht ein Haus, kein Buch.

Allerdings: ArchitektInnen müssen ihre Ideen kommunizieren. Mit Bauherren, auf der Baustelle, mit Kollegen, mit Chefs, auch mit Anwohnern, mit Laien und Interessierten, mit Beh?rden und Ausschüssen, mit den Medien. Dafür steht ihnen eine ganze Reihe von Hilfsmitteln zur Verfügung: Sie teilen ihre Ideen mit Hilfe von Modellen, Zeichnungen, Pl?nen, Renderings mit – und über Sprache. Dies beginnt im Studium mit Pr?sentationen und Vortr?gen – auch dies ist letztendlich ein Text! –, und setzt sich im Beruf unver?ndert fort: Emails, Antr?ge, Bauherren-Gespr?che, Wettbewerbsbeitr?ge, Pressemitteilungen, Darstellungen auf der Website, Texte für Verwaltung und Beh?rden … Die Palette an Bereichen, in denen sprachlich kommuniziert wird, ist weitaus gr??er, als es im ersten Augenblick den Anschein hat. Zudem mag es desillusionieren, aber auch der Beruf des ArchitektInnen ist davon abh?ngig, wie er oder sie seine Ideen zu kommunizieren und damit zu verkaufen in der Lage ist. ArchitektInnen arbeiten also sehr wohl mit Sprache. Auch ArchitektInnen schreiben.

Sie neigen allerdings dazu, die sprachlichen M?glichkeiten zu vernachl?ssigen. 

Warum ist das so? Fragt man nach und bittet um Einblick in die Alltagspraxis, wird deutlich, dass sich Architekten und Architektinnen ihrer sprachlichen Schw?chen??durchaus bewusst sind. Hin und wieder kokettieren sie sogar damit. Im Studium sei das Thema zu kurz gekommen, hei?t es dann. Man habe dazu leider keine Betreuung, keinen Input erhalten. Das sei schade, denn sprachliche Kommunikation spiele – neben allen anderen Handwerkszeugen – eine wesentliche Rolle im Berufsleben und bedeutet letztendlich auch einen professionellen Vorteil: Ein souver?ner Umgang mit Sprache und Kommunikation ist eine Visitenkarte, die für sorgf?ltiges und professionelles Arbeiten steht.

Studierende und Absolventen hingegen betonen die überforderung, neben dem Entwerfen im Studium auch noch sprachlich arbeiten zu müssen. Insbesondere durch die Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse auch in der Architektur hat sich in den vergangenen Jahren im Curriculum einiges ver?ndert, die Anforderungen an Textleistungen sind gr??er geworden. Viele fühlen sich mit diesen Anforderungen allein gelassen. Es finde keine Schreibbetreuung statt, es gebe wenig bis gar keine Hilfestellungen und Informationen zur sprachlichen Arbeit, hei?t es immer wieder. Auch viele Lehrende geben durch die Blume zu verstehen, dass in diesem Bereich Nachholbedarf bestehe, der von ihnen jedoch nicht geleistet werden k?nne. 

Die gute Nachricht – schreiben und texten ist auch im Architekturbereich nichts, das nicht mit ein wenig Anleitung und Training gut zu meistern w?re. Bei der Arbeit mit Studierenden konnte ich beobachten, dass schon mit wenigen Hilfestellungen deutliche Verbesserungen beim Verfassen von Konzepterl?uterungen zu beobachten waren – und ebenso bei der Schlusspr?sentation am Ende des Seminars. Etwas bewusst zu versprachlichen bedeutet, Struktur in die Gedanken zu bringen, um sie gut verst?ndlich kommunizieren zu k?nnen. Dadurch kann nicht nur ein schriftlicher Text entstehen, sondern auch ein gelungener mündlicher Vortrag. Dies ist ein gro?er Vorteil des Schreibens, der h?ufig vergessen wird: Wer seine Ideen in einem gut strukturierten Konzept notiert, wird es auch besser pr?sentieren – eine grundlegende Schlüsselkompetenz des professionellen Arbeitens als ArchitektIn.?

ArchitektInnen müssen nicht schreiben.

Sie k?nnen!

Unterstützung dabei wird (m)ein Buch ?Schreiben im Architekturstudium“ bieten, das im kommenden Jahr erscheint. Es wendet sich an Studierende, bietet jedoch auch allen Architekt*innen darüber hinaus Hilfestellungen beim Schreiben und Versprachlichen von Konzepten. Ziel des Buches ist, für das Potenzial der sprachlichen Kommunikation in der Architektur zu sensibilisieren und praktische Methoden an die Hand zu geben. Und wer wei?, vielleicht findet der ein oder andere Architekt*in sogar Spa? am Schreiben!

Schreiben im Architekturstudium
Schreiben im Studium, herausgegeben von Swantje Lahm
Verlag Barbara Budrich
Opladen und Toronto
2021

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Archicomics? Architektur im Comic http://www.canchuo79.top/archicomics-architektur-im-comic/ Tue, 05 May 2020 16:06:15 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23534 more »]]>

Strenge Raumkuben, fensterlos, W?nde aus hellgrauen, grob behauenen Gneisquadern, eine Akustik, die fast sph?risch anmutet, und schimmernde Formen- und Farbenspiele an den W?nden, die von Lichtquellen unter der Wasseroberfl?che rühren, zudem nur über einen unterirdischen Gang zu erreichen – die Bader?ume der Therme Vals von Peter Zumthor entfalten eine ganz eigene Atmosph?re. 

(c) Edition Verlag Moderne

Pierre ist von der Therme wie infiziert. Irgendetwas ist vorgefallen, das ihn nach Vals treibt. Er hat in Paris Architektur studiert, seine Abschlussarbeit über Zumthors Meisterwerk verfasst und dabei ein Geheimnis aufgespürt, ohne es jedoch zu fassen zu bekommen. Seine immer intensiveren Recherchen führen schlie?lich dazu, dass er das Manuskript vernichtet, krank wird, das Studium abbricht. Schlie?lich reist er nach Graubünden, um Antworten zu finden. Schon die Reise ist voller düsterer Vorzeichen ….

Lucas Hararis geheimnisvoller Thriller „Der Magnet“ ist eine Graphic Novel. Also ein – Comic? Ein Architektur-Thriller als Comic?[1]

 

Graphic Novels – Bildergeschichten für Erwachsene?

Eine erste Recherche zeigt, dass Graphic Novels Comic-Romane in Buchformat sind, die mit erz?hlerischer Komplexit?t auch ernsthafte Themen verarbeiten und sich an Erwachsene richten. Seit den 1980er-Jahren wurden sie immer popul?rer, bekannte Beispiele und quasi schon Klassiker des Genres sind etwa Art Spiegelmans mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Maus. A Survivor’s Tale (1980), Frank Millers Sin City (1991/92) oder Persepolis von Marjane Satrapi (2000). Tats?chlich ist die Bezeichnung ?Graphic Novel“ vor allem ein Marketing-Kniff, um Comic-Erz?hlungen über das klischeehafte komische Erz?hlen hinaus auch als seri?ses Medium begrifflich zu etablieren – durchaus mit einigem Erfolg.

Seite aus „Asterios Polyp“ (c) deconarch.com

L?sst man sich auf das Genre ein, er?ffnet sich ein verblüffend vielschichtiges Feld. Aus der Perspektive der Architektur lassen sich verschiedenste Arten der Erz?hlung entdecken. Bauwerke als gebaute Bühne eines Geschehens wie bei Harari treten neben Stadtarchitekturen, die eigene Welten entwickeln – was w?re Batman ohne Gotham City? Es gibt Biografien von Architekten, fiktive wie reale (etwa Asterios Polyp oder Mies), aber auch Manifeste des eigenen Schaffens wie von den D?nen BIG. Architektonische Fragen k?nnen sich als Leitmotiv durch ganze Geschichten ziehen wie im Klassiker Asterix (?Asterix und Cleopatra“ oder ?Die Trabantenstadt“ behandeln durchaus scharfzüngig Facetten der Bauindustrie) oder etwas erwachsener in Jacques Tardis und Jean-Claude Forests bitterb?ser Groteske Hier selbst!

 

Comics lesen – komplexer als gedacht 

Taucht man noch tiefer in die Materie ein und besch?ftigt sich mit der Funktionsweise von Comics, begegnet eine eigenst?ndige Kunstform, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts – der Beginn des modernen Comics wird in der Regel in die Phase von 1895 bis 1897 in New York gelegt, als verschiedene Ausgaben von Richard Felton Outcaults ?The Yellow Kid“ in der Wochenendbeilage des ?The American Humorist“ erschienen – herausgebildet hat mit charakteristischen Elementen, die sie mit anderen Kunstformen teilt, dabei aber ganz individuell vereint – etwa mit visueller Kunst/Grafik, Theater, Film, Literatur. Je nach definitorischer Perspektive lassen sich Vorl?ufer des Comics bis in die Frühzeit finden, etwa in steinzeitlichen H?hlenmalereien, in pr?kolumbianischen Friesen, im Teppich von Bayeux, ….

Seite aus „Hier selbst“ (c) deconarch.com

Tats?chlich ist die Definition des Comics weniger einfach als man erwarten würde und in der Forschung bis heute nicht einstimmig gel?st. Die Comic-Forschung ist eine noch junge Disziplin, die erst seit den 2000er-Jahren verst?rkt publiziert, wohl auch, weil der Gegenstand lange als trivial abgetan wurde – ein Schicksal, das er etwa mit der Mode teilt, deren soziale, politische, wirtschaftliche und ?kologische Bedeutung durch ihre Popularit?t und den teils exzessiven Massenkonsum oft übersehen wird. In ?hnlicher Weise verbindet auch der Comic ?Low Culture“ und ?High Culture“ in einer Zwischenposition als vermeintlich einfach zu konsumierendes Massenmedium, das keiner der ?ernsthaften“ Kunstgattungen wirklich anzugeh?ren scheint (auch wenn die jüngeren Comics schon lange keine Auflagen wie Mickey Mouse und Asterix mehr erreichen).

 

Die Kunst der r?umlichen Sequenz 

Ein m?glicher Definitionsansatz bestimmt Comics nach Will Eisner als sequenzielle Kunst, als Abfolge von einzelnen gezeichneten statischen Bild-Panels.[2] Ein einzelnes Bild – ein Cartoon – macht demnach noch keinen Comic aus! Dazu tritt in der Regel die Verbindung von Text und Bild innerhalb eines Panels, also zwei verschiedene Zeichensystemen, die gleichzeitig wahrgenommen werden. (Dadurch unterscheidet sich der Comic von der klassischen Bildergeschichte, in der Bilder nur illustrierende Funktion haben.)

Zentral ist die formale Struktur des ?Panel-Rasters“, das den grundlegenden perzeptiven Charakter des Comics ausmacht: Der Zwischenraum zwischen den Bildfeldern, der ?Rinnstein“ (gutter), bringt den/die Leser*in in einer besonderen induktiven Denkleistung dazu, aus zwei Einzelbildern eine Sequenz zu sehen und daraus eine Geschichte zu machen.

Die nicht nur visuelle Gemeinsamkeit mit dem Film-Streifen ist hierbei kein Zufall. Der Erfolgszug des Comics setzt um 1900 etwa zeitgleich mit dem Erfolg des bewegten Bildes ein: W?hrend der Comic eine statische Bild-Folge ist, die sich r?umlich – über eine Seite hinweg – entwickelt, ist der Film eine dynamische Bild-Folge, die zeitlich abl?uft (man denke an das ?Rohmaterial“ auf der Bildrolle, wie ein Comic eine Aneinanderreihung einzelner Bildfelder: Wir nehmen Film als flie?ende Bewegung wahr, weil die einzelnen Aufnahmen in einer bestimmten Geschwindigkeit ablaufen, die das Auge „überlistet“). 

 

Architektur im Comic?

W?hrend jedoch ?Architektur und Film“ ein popul?res Thema ist, zu dem immer wieder Empfehlungslisten ver?ffentlicht werden und das bei Online-Suchen viele Treffer landet, ist das bei ?Architektur und Comic“ anders. Warum eigentlich? Ist das Medium Film ?mainstreamiger“ und mehr Massenmedium? Ist die zeitliche Wahrnehmung einfacher als die r?umliche – denn die Darstellungstechniken der Bildpanels selbst funktionieren in gewissem Rahmen sehr ?hnlich. 

Er?ffnet das Genre des Comics als r?umliches Erz?hlen in Bildern gerade für Architekten und Architektur, der raumbildenden Baukunst, besondere M?glichkeiten? 

In einem Seminar an der Hochschule Karlsruhe bearbeite ich das Thema mit Masterstudierenden; die Ergebnisse werden im Sommer im Schaufenster des ASF pr?sentiert und digital verfügbar gemacht. 


[1] Mehr zum Buch in meiner Rezension im dab online!

[2] Will Eisner, Comics & Sequential Art, Tamarac 1985 (dt.: Mit Bildern erz?hlen. Comics & Sequential art, Wimmelbach 1995).


Erw?hnte Literatur:

BIG / Bjarke Ingels:
Yes is more. An Archicomic on Architectural Evolution
K?ln 2010
Lucas Harari:
Der Magnet
Zürich 2018
Agustín Ferrer Casas:
Mies. Mies van der Rohe – ein vision?rer Architekt
Hamburg 2019
David Mazzucchelli:
Asterios Polyp
Frankfurt 2011
René Goscinny, Albert Uderzo:
– Asterix und Cleopatra, 1965
– Asterix: Die Trabantenstadt, 1971
Neuauflagen 2019, 2017
Jacques Tardi, Jean-Claude Forest:
Hier Selbst, 1979
Neuauflage: Zürich 2016

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Harari-_Seite Harari-_-Cover Asterios-Polyp Hier-selbst
Relaunch! deconarch.com ist wieder da! http://www.canchuo79.top/relaunch-deconarch-com-ist-wieder-da/ Mon, 20 Apr 2020 18:35:12 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23504 more »]]> Nach einer doch etwas l?ngeren Pause und (Wieder-)Findungsphase ist es an der Zeit, deconarch.com wieder zu bespielen. Aus zeitlichen Gründen wird deconarch.com in abgespeckter Form weitergehen – dafür aber auch hin und wieder pers?nlicher werden, zwar mit weniger h?ufigen, dafür jedoch umfangreicheren Beitr?ge.

Was sich nicht ?ndern wird: der Fokus auf Kunst und Architektur. Es wird wieder Interviews geben, wir werden im Archiv st?bern und bei KünstlerInnen nachfragen, die wir schon kennengelernt haben.

Wer sich dafür interessiert, was so alles los war und ist, kann gern auf meiner Website st?bern, um einen Eindruck zu gewinnen.

Auf ein Neues – lassen wir uns überraschend, wohin uns die Reise mit deconarch.com führt. Ich freue mich!

After a (somewhat) longer break, it is time to get back on track with deconarch.com! Due to time reasons, deconarch.com will continue in a slimmed-down form – but it will also become more personal with less frequent, yet more extensive contributions. What will not change: the focus on art and architecture. There will be interviews again, we will browse the archives and ask artists who we have already met.

If you are curious what has been going on with me, feel free to browse my website to get an idea.

I’m looking forward where deconarch.com’s relaunch will take us! Are you on board?

(c) deconarch.com
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Christmas Break 2018 http://www.canchuo79.top/christmas-break-2018/ http://www.canchuo79.top/christmas-break-2018/#comments Sun, 02 Dec 2018 18:11:44 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23471 more »]]>
(c) deconarch.com | NS

(c) deconarch.com

Der ein oder andere mag sich schon gewundert haben – es ist in der letzten Zeit recht ruhig auf deconarch.com. Der übliche Vorweihnachtswahnsinn h?lt und ordentlich auf Trab, daher erlauben wir uns eine etwas ausgedehntere Pause „zwischen den Jahren“.

2019 sind wir wieder mit voller Energie für alle deconarch.com-Fans da!

deconarch.com wünscht allen Leserinnen und Lesern frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr.

Some of you might have noticed already – things have been pretty „low key“ here on deconarch.com. As we are very busy currently, we’re taking a longer „seasons break“.

2019 we’ll be back for you!

deconarch.com wishes you a merry Christmas and a great start into 2019!

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http://www.canchuo79.top/christmas-break-2018/feed/ 1 (c) deconarch.com | NS (c) deconarch.com |?NS
?KI finde ich für die Zukunft dann wichtig, wenn sie mit ?künstlerischer Intelligenz‘ übersetzt wird.“ INTERVIEW mit Tobias Zaft http://www.canchuo79.top/ki-finde-ich-fuer-die-zukunft-dann-wichtig-wenn-sie-mit-kuenstlerischer-intelligenz-uebersetzt-wird-interview-mit-tobias-zaft/ http://www.canchuo79.top/ki-finde-ich-fuer-die-zukunft-dann-wichtig-wenn-sie-mit-kuenstlerischer-intelligenz-uebersetzt-wird-interview-mit-tobias-zaft/#respond Sun, 11 Nov 2018 09:59:20 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23436 more »]]> Im Juni? haben wir als ARTitecture des Monats FlexiPolis von Tobias Zaft vorgestellt. Acrylglasobjekte wachsen hier zu einem transparenten ?Hightech-Moloch“ zusammen, dessen K?rper durch rhythmisierte Lichtimpulse zu virtuellem Leben erwacht. Eine komplexe Licht-Choreografie? erzeugt eine besondere Aura in der Installation, die aus insgesamt 357 Acrylglas-Elementen, 156 LED-Platinen, 1560 LEDs und 10 Mini-Computern besteht. Die Hard- und Software wurde seit 2012 fortlaufend weiterentwickelt.

FlexiPolis, 2016, interaktive Lichtskulptur (modulares Stecksystem), Acrylglas, LED-Platinen WLAN-Modul, Stahl, 85 x 38 x 38 cm (inkl. Stahlsockel), 4 Editionen, Sammlung Karin Abt-Straubinger, Stuttgart (c) T. Zaft

FlexiPolis?beschreibt das Ph?nomen Gro?stadt als lebensfeindliche Manipulationsmaschine, welche mit funkelnden Glücksversprechen den Rohstoff Mensch verführt und schlie?lich in einen Kreislauf aus Wachstum und Gier einspannt. Durch Smartphone-Interaktion stellt die Arbeit?FlexiPolis?zudem die Frage nach den Machtverh?ltnissen: ist es der Mensch, der die Stadt nach seinen Bedürfnissen formt, oder ist es die Stadt, welche die Menschen kontrolliert?
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Als evolution?re Installation entwickelt sich?FlexiPolis?fortlaufend weiter und w?chst. Die interaktiven Multiples k?nnen durch Zusatzmodule erg?nzt werden und in die H?he und Breite wachsen. So entstehen raumfüllende Utopien, die von den Ausstellungsbesuchern erkundet und per Smartphone-Interaktion beeinflusst werden k?nnen. Eine komplexe Arbeit, die auch zeitgen?ssische Themen und Technologien künstlerisch einsetzt.
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Wir haben bei Tobias Zaft nachgefragt. Im Interview mit deconarch.com?erkl?rt uns der Künstler die Hintergründe von FlexiPolis, welche Themen ihn besch?ftigen und welchen Eindruck die Erfahrung von „Hightech-Urbanit?t“, etwa in China, auf ihn gemacht hat.

Ab Dezember wird FlexiPolis im Kunstverein Villa Streccius in Landau in der Pfalz als Teil der Gruppenausstellung ?Habitat – Lebensr?ume“ zu sehen sein (08.12.2018 bis zum 20.01.2019).

all illus. (c) Tobias Zaft
www.tobiaszaft.com

INTERVIEW

Wie ist?FlexiPolis?entstanden?
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Die Idee zu FlexiPolis entstand in Beijing, wo ich von 2007 bis 2013 durchgehend lebte und bis heute intensive Beziehungen pflege. Besonders fasziniert haben mich futuristisch anmutende Gesch?ftsviertel wie Guomao, in denen moderne Wolkenkratzer um die Wette in den Himmel wachsen. Wie eine Fata Morgana entfalten die im Sonnenlicht edel gl?nzenden Glastürme ihre Anziehungskraft und wecken bei den Menschen Sehnsüchte nach Wohlstand und Glück. Doch ein Blick hinter die Fassaden bringt meist schnell Ernüchterung, denn viele dieser Prestigearchitekturen entpuppen sich aus der N?he betrachtet als reiner Kulissenbau. Die Innengestaltung ist entsprechend vorhersehbar. Neben den L?den international bekannter Marken in den unteren Etagen befinden sich darüber Büros. Schnell hat man vergessen, in welchem Wolkenkratzer man sich befindet, da alle nahezu identisch gestaltet sind. Jedes dieser gigantischen Geb?ude ist ein eigener Kosmos, in dem tausende Menschen ihren Alltag abgeschirmt von der Au?enwelt verbringen. Bei der Planung solcher Bauten wird die Natur lediglich als Risikofaktor in Form von Stürmen oder Erdbeben einkalkuliert. Das Welt- und Menschenbild, das einer derartigen Planung zugrunde liegt, interessiert mich.
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FlexiPolis

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Das klingt nicht nach ?sch?ner neuer Welt“ …

Mit FlexiPolis wollte ich diese hermetischen Hochglanz-Welten mit ihrer Ambivalenz aus Faszination und Inhaltsleere veranschaulichen. Ich wollte der Frage auf den Grund gehen, welche Auswirkungen das Leben und Arbeiten in (und au?erhalb) derartiger Prestige-Architekturen auf die menschliche Psyche hat. Für mich hat das sehr viel mit gesellschaftlicher Ab- und Ausgrenzung zu tun.
So habe ich mit FlexiPolis über mehrere Jahre einen komplexen Mikrokosmos erschaffen, der die Menschen durch diffizile Lichtanimationen und verführerisches Funkeln wie eine überdimensionale Insektenfalle anzieht. Doch aus der N?he betrachtet l?sen sich die Skulpturen in ein transparentes Nichts auf und der Betrachter ist auf sich selbst zurückgeworfen. Technologie macht gewisserma?en die menschliche Psyche sichtbar. Besonders der Aspekt des Fragilen interessiert mich daran.
Seit dem ersten FlexiPolis-Modell aus dem Jahr 2012 ist bis heute in enger Kooperation mit einem Team aus Elektroingenieuren und Informatikern der Fachhochschule Wedel ein modulares und interaktives Medienkunstwerk entstanden. Per Smartphone-Interaktion k?nnen die Betrachter das virtuelle Innenleben von FlexiPolis zwar beeinflussen, doch gleichzeitig erscheinen die Skulpturen in ihrer fragilen ?sthetik unnahbar.
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Wie ist Ihr Arbeitsprozess, gehen Sie konzeptionell vor oder ?finden“ Sie Themen w?hrend des Arbeitens?
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Meine Arbeit beginnt mit Beobachtungen, die sich in meinem Kopf ansammeln und mit der Zeit zu einem Konzept verdichten. Einige dieser ?Gedankenskulpturen“ bleiben dann über einen l?ngeren Zeitraum so pr?sent, dass ich sie visualisieren m?chte, um diese Neuentdeckungen mit m?glichst vielen Menschen zu teilen. Die Umsetzung ist ein sch?pferischer Prozess, bei dem sich Schritt für Schritt die Form verselbstst?ndigt und vom Konzept emanzipiert – es kommt daher vor, dass das anf?ngliche Konzept komplett verworfen wird und die Arbeit eine neue Form findet. Konzepte sind für mich also nur wichtig, um einen Anlass für Umsetzungen zu haben. Jedes Projekt ist für mich daher eine spannende Reise ins Ungewisse.
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FlexiPolis

FlexiPolis

Welche Themen besch?ftigen Sie?

Mich reizt immer das Neue. Viele aktuelle Entwicklungen, zum Beispiel künstliche Intelligenz, finde ich ?u?erst spannend, aber oftmals unpassend eingesetzt. Daher langweilen mich die meisten daraus entwickelten Produkte – gleichzeitig fasziniert mich das Konsumverhalten vieler Menschen. Mich interessiert, weshalb Menschen pl?tzlich Bedürfnisse entwickeln, die sie vorher nicht hatten. KI finde ich für die Zukunft dann wichtig, wenn sie mit ?künstlerischer Intelligenz“ übersetzt wird. Da Kunst keiner Funktion im Sinne einer praktischen Anwendung unterliegt, ist sie frei und besitzt ein h?heres Innovationspotenzial als Produkte. Künstler sind hier meiner Meinung nach die wichtigsten Impulsgeber für die Zukunft. Denn die Kunst setzt sich mit neuen Technologien oft intensiver und ganzheitlicher auseinander als die Industrie. Die Kunst betrachtet den Menschen ganzheitlich und langfristig – die Industrie hingegen sieht den Menschen als Konsumenten mit kurzfristigen Bedürfnissen. Aus meiner Sicht sind Kunstwerke daher zukunftsf?higer als Produkte.
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Spielt die KI in anderen Arbeiten von Ihnen eine Rolle?

KI übersetze ich wie gerade beschrieben mit ?künstlerischer Intelligenz“. Ein intelligentes Kunstwerk erm?glicht dem Betrachter eine neue Erfahrung. Es bildet also nicht die Realit?t ab, sondern ?ffnet neue Erkenntnisebenen. Ein derartiges Kunstwerk ist ganz nah am Puls der Zeit und vielleicht sogar schon einen Schritt in der Zukunft. Neben FlexiPolis w?re ein anderes Werkbeispiel eine Arbeit mit dem Titel BureauCrazy.

BureauCrazy, kinetische Rauminstallation, LED-R?hren, Faxpapier, Aktenvernichter, Bürom?bel, ca. 350 x 500 x 300 cm, NordArt, Rendsburg 2014

BureauCrazy, kinetische Rauminstallation, LED-R?hren, Faxpapier, Aktenvernichter, Bürom?bel, ca. 350 x 500 x 300 cm, NordArt, Rendsburg 2014

Hier habe ich eine kinetische Rauminstallation geschaffen, in der sich eine h?ngende Konstruktion aus Aktenvernichtern in einem Büro verselbstst?ndigt. Alle drei Minuten arbeiteten sich die Schredder wenige Zentimeter in dem Vorrat aus Endlospapier voran, sodass der Büroraum nach vier Wochen zu einem Dschungel aus geschreddertem Endlospapier mutierte. Durch die künstlerische Auseinandersetzung mit den Dingen k?nnen derartige ?Systemst?rungen“ oder ?Mutationen“ entstehen, die alle Karten neu mischen und eine Gesellschaft langfristig ver?ndern k?nnen. Ein weiteres Beispiel w?re die interaktive Installation ?Fragile“, ein modifizierter Snack-Automat, der nach Bezahlung Gl?ser auswirft, die vor den Augen des K?ufers beim Herabfallen zerbrechen.

Die eingesetzten Mittel und Materialen in der Kunst sind nahezu unbegrenzt und wachsen fortlaufend mit dem technischen Fortschritt. Mit ?künstlerischer Intelligenz“ meine ich also den Umgang mit den bestehenden technischen M?glichkeiten.
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?Fragile“ Kinetische Lichtinstallation (interaktiv) Art Beijing 2012

Fragile, Kinetische Lichtinstallation (interaktiv), Art Beijing 2012

Wie finden Sie Ihre Medien, ihre Gestaltungsmaterialien?

In der Auseinandersetzung mit aktuellen Medien und Materialien arbeite ich bei einem Projekt wie FlexiPolis eng mit der Industrie und Universit?ten zusammen. In einem kooperativen Prozess mischt sich dann das technische Know-how mit künstlerischen Ans?tzen zu etwas v?llig Neuem und Spannendem.
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Wer inspiriert Sie? Gibt es Vorbilder?

Besonders China bedeutet für mich eine unersch?pfliche Inspirationsquelle für meine Arbeit. Da ich lange in China gelebt habe und mich st?ndig zwischen beiden L?ndern bewege, beobachte ich mit gro?er Aufmerksamkeit einen sehr spannenden Wandel.

China ist ein gigantisches Land, das sich mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit auf die Zukunft vorbereitet. Hier ist man mutig, neugierig und konsequent bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Konzepte. Diese Entwicklungen wirken sich natürlich auch auf die Kunstproduktion aus, in der sehr viel Bewegung ist. Vor zehn Jahren kam es mir bei meiner Ankunft in Beijing so vor, als würde ich in die Vergangenheit reisen. Heute habe ich das Gefühl in Deutschland in der Vergangenheit zu leben.

Kunst kann wie der Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen sein: Das Fremde wird im ersten Augenblick als Bedrohung wahrgenommen und abgelehnt. Doch wenn man sich dem Fremden ?ffnet, bringt diese Begegnung einen unglaublichen Gewinn für das Leben. Dieses Potenzial m?chte ich durch meine Arbeit nutzen und m?glichst vielen Menschen zug?nglich machen.

Tobias Zaft, herzlichen Dank für die Einblicke in Ihre Arbeit! ]]> http://www.canchuo79.top/ki-finde-ich-fuer-die-zukunft-dann-wichtig-wenn-sie-mit-kuenstlerischer-intelligenz-uebersetzt-wird-interview-mit-tobias-zaft/feed/ 0 FlexiPolis (c) Tobias Zaft obias Zaft, FlexiPolis, 2016, interaktive Lichtskulptur (modulares Stecksystem), Acrylglas, LED-Platinen WLAN-Modul, Stahl, 85 x 38 x 38 cm (inkl. Stahlsockel), 4 Editionen, Sammlung Karin Abt-Straubinger, Stuttgart (c) T. Zaft FlexiPolis (c)Tobias Zaft FlexiPolis FlexiPolis ureauCrazy, kinetische Rauminstallation, LED-R?hren, Faxpapier, Aktenvernichter, Bürom?bel, ca. 350 x 500 x 300 cm, NordArt, Rendsburg 2014 ureauCrazy, kinetische Rauminstallation, LED-R?hren, Faxpapier, Aktenvernichter, Bürom?bel, ca. 350 x 500 x 300 cm, NordArt, Rendsburg 2014 ?Fragile“ Kinetische Lichtinstallation (interaktiv) Art Beijing 2012 ?Fragile“ Kinetische Lichtinstallation (interaktiv) Art Beijing 2012 Letzter Vorhang | Anna LEHMANN-BRAUNS in Berlin http://www.canchuo79.top/23416-2/ http://www.canchuo79.top/23416-2/#comments Thu, 01 Nov 2018 20:13:14 +0000 http://www.canchuo79.top/?p=23416 more »]]> Spaces are the central motif in the work of Berlin photographer Anna Lehmann-Brauns. She finds them in hotels, discos, theaters, cinemas, clubs, bars and other places. Their detailed interiors seem to have fallen out of time, everything seems to stand still. The colorful scenes adhere to something magical, sometimes bizarre. The photo artist tells stories that draw us deeply into the picture, inspire our imagination and challenge our imagination. Are these real spaces or backdrops or stages? And where are the people?

 

Durchsicht, 2018, C-Print ? Anna Lehmann-Brauns

Durchsicht, 2018, C-Print ? Anna Lehmann-Brauns

Anna Lehmann-Brauns

Letzter Vorhang

Eine Hommage in fotografischen Bildern

9. September bis 2. Dezember 2018

Kommunale Galerie Berlin

www.kommunalegalerie-berlin.de

 

 

 

 

 

PR Info _ R?ume sind das zentrale Motiv im Werk der Berliner Fotografin Anna Lehmann-Brauns. Sie findet sie in Hotels, Diskotheken, Theatern, Lichtspielh?usern, Clubs, Bars und anderen Orten. Ihre detailgetreuen Interieurs wirken wie aus der Zeit gefallen, alles scheint still zu stehen. Den farbenstarken Szenerien haftet etwas Zauberhaftes, teils Skurriles an. Alles gleicht mehr einer subjektiven Zustandsbeschreibung, denn einer objektiven Wirklichkeitsabbildung – unterstrichen durch die gem?ldehafte Anmutung der Fotografien.

Die Fotokünstlerin erz?hlt Geschichten, die uns tief ins Bild ziehen, unsere Fantasie beflügeln und unsere Vorstellung herausfordern. Sind das reale R?ume oder Kulissen oder Bühnen? Und wo sind die Menschen?

Wenige Monate vor der endgültigen Schlie?ung von Theater am Kurfürstendamm und Kom?die hat die Fotografin dazu eine umfangreiche Werkserie erstellt. In ihren Bildern leben die legend?ren H?user, welche zu den Hauptwerken des Theaterarchitekten Oskar Kaufmann geh?rten, fort.

Info + illus. courtesy Kommunale Galerie Berlin

]]> http://www.canchuo79.top/23416-2/feed/ 1 Durchsicht, 2018, C-Print ? Anna Lehmann-Brauns Durchsicht, 2018, C-Print ? Anna Lehmann-Brauns 大发888英皇国际 <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <文本链> <文本链> <文本链> <文本链> <文本链> <文本链>