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?Es geht nichts über ein Original“ INTERVIEW mit A. W. Sch?ps

Die Kontraste und Differenzen der Natur, die Zusammenh?nge zwischen Gewachsen und Gemacht faszinieren A. W. Sch?ps. Architektur und Strukturen besch?ftigen die Künstlerin ebenso wie Innen- und Au?enr?ume. Vor allem aus Holz arbeitet A. W. Sch?ps ihre „CUTs“ heraus und kombiniert sie mit gemalten Szenerien Auf den ersten Blick wirken die Arbeiten wie Malerei auf Glas – eine ungewollte Folge der Digitalisierung: auf Abbildungen l?sst sich die Tiefe der Arbeiten nicht nachvollziehen, die Erfahrung vor dem Original nicht ersetzen.
CUT! - RaumSchnitt I/IX Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019
CUT! – RaumSchnitt I/IX
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019

Es ist immer wieder die Reaktion auf die Architektur, die sich in den Arbeiten abzeichnet. Innen – au?en, gebaut – natürlich, Beton, Glas, Stahl stehen Pflanzen, Blumen, Grün gegenüber – oder daneben?

Im Interview mit deconarch.com berichtet A. W. Sch?ps, wie ihre Arbeiten entstehen, wie sich Themen und Motive entwickeln und wie ihr Hintergrund in der Innenarchitektur in ihre Kunst hineinwirkt.

all illus. (c) A.W.Sch?ps
www.a.w.schoeps-atelier.de

www.instagram.com/awschoeps

INTERVIEW 

In Ihren CUTs fokussieren Sie den Blick des Betrachters in einer strengen Zentralperspektive auf architektonische Kontraste. Wie ist Ihr Arbeitsprozess: Gehen Sie konzeptionell vor oder ?finden“ Sie Ihre Themen w?hrend des Arbeitens? 

Die konzeptionelle Herangehensweise ist definitiv Kern meiner Arbeit, trotzdem lasse ich auf jeden Fall auch Spielraum für Erg?nzungen und überlegungen, die sich oftmals im Fortschritt einer Arbeit, in einer Werkserie auftun. An sich liegt aber eine übergeordnete Idee zugrunde, die ich über die CUTs im Material als Ausdrucksmittel erg?nze – und m?glichst verst?rke. Deshalb arbeite ich auch auf und mit Holz, denn hier habe ich alle M?glichkeiten: sowohl filigranes Herausarbeiten (früher) als auch einfache, pr?zise Schnitte (heute). 

Architektur trifft Natur I/X:  Ein- & Aufgangs-T-r?ume I Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2016
Architektur trifft Natur I/X: Ein- & Aufgangs-T-r?ume I
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2016

In den letzten Jahren besch?ftigen Sie sich viel mit Architektur und Natur. Wie entwickeln sich Ihre Motive hier? 

Ja, ich leite unterschiedliche Arbeiten aus diesem Themenkomplex ab. Das k?nnen reale, faszinierende Architekturwelten sein, die ich mit gro?en üppigen und farbenpr?chtigen Blumenwiesen kombiniere und so versuche, diese unterschiedlichen Welten zu erg?nzen oder sich gegenüberzustellen. Oder alte Hütten, l?ngst vergessene Paradiese, die mit ihrem verfallenem Charme (noch) existieren: Lange standen diese Grundstücke im Bebauungs-?Visier“ (deshalb hier die CUTs). Mittlerweile sind es tats?chlich ?nur noch“ stadtnahe Naturparadiese für alle. Mensch und Natur – kein ?entweder oder“. Diesen Prozess versuche ich mit Malerei und Zeichnung dazustellen. 

Auch hilft mir die Natur bei verschiedenen Arbeiten zur Untersuchung von gebauter Architektur: Die dynamische ?Architektur der B?ume“ ist durch die Reduzierung im Holz als filigranes Gebilde sichtbar und ?hnelt manch ?natürlich“ Gebautem.

Lebenslinien Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2019
Lebenslinien
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2019

Wichtig ist mir zudem auch der Materialkontrast meiner Bilder zum Hintergrund- und Tr?germaterial: Hier nutze ich fast ausschlie?lich hochgl?nzendes, farbloses und kratzfest beschichtetes Plexiglas, welches meinen Bildobjekten zus?tzliche Leichtigkeit verleiht. Au?erdem erreiche ich hiermit ein Licht- und Schattenspiel, oftmals über die Schnitttiefe hinweg.

Warum eigentlich der Titel CUT? Wie kommt es dazu?

Viele Betrachter meiner Bilder denken zuerst, es handle sich um Malerei auf Glas. Dass ich Teilbereiche aus Holz herausarbeite (in den ?CutOuts“) ist das eine; bei meinen aktuellen Arbeiten sind es aber vor allem eindeutige, kurze ?Cuts“. Deshalb benenne ich dies auch in den Titeln. Leider l?sst sich auf Fotos bzw. in der digitalen Welt dieser Tiefencharakter meiner Arbeiten nur sehr schwer einfangen. Es geht eben nichts über ein Original! 

Sehr gerne h?tte ich eine Schreinerlehre gemacht; tats?chlich wurde es ein 12-monatiges Praktikum vor meinem Studium. Als ich dann vor vielen Jahren mit meinen ersten, collagenartigen Malereien begann, war klar, dass ich mit Schichtholz arbeite. Die Kombination mit dem Glashintergrund habe ich ebenfalls von Anfang an beibehalten.

Architektur trifft Natur V/X:  Ein- & Aufgangs-T-r?ume V Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2017
Architektur trifft Natur V/X:
Ein- & Aufgangs-T-r?ume V
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 75 x 75 cm, 2017

Verraten Sie uns, wie eine Arbeit praktisch entsteht?

Aktuell arbeite ich an der Serie ?CUT! – Nature Now“: Auch hier inspiriert mich das Thema Vergangenheit und Zukunft von Natur und architektonischen Landschaften ganz unterschiedlich. Einerseits die unterschiedlichen Ans?tze, Natur im urbanen Lebensraum zu integrieren, w?hrend andererseits heftige Naturkatastrophen nebenan unsere W?lder kurzerhand bizarr zerst?ren: Der ?Cut“ setzt die Grenze zwischen dem gewesenen Hier und verdeutlicht das Jetzt, kombiniert mit einer fiktiven Bebauungszeichnung im Hintergrund. 

Ich arbeite parallel an meinen Werken: Sind die Ideen fertig skizziert, folgt die Vorlage auf dem gew?hlten, meist quadratischen Format für die Schnitte im Holz – oftmals sehr aufwendig ges?gt. Natürlich wird auch geschliffen und gefeilt, alles grundiert und mit Acrylfarbe nun das Bild gemalt, welches sich schon l?ngst, fast fertig, in meinem Kopf befindet. 

Au?erdem habe ich Skizzenbücher, an denen ich oft sogar t?glich arbeite – Skizzen, Anmerkungen, Konzepte, Ideen … Manchmal gibt es auch nur ein Foto oder Thema und der architektonische Aspekt flie?t sp?ter erst mit ein. Bevor ich dann tats?chlich meine Werke aus Holz zu bearbeiten beginne, h?ngen diese meist als 1:1-Zeichnungen – manchmal auch kombiniert mit Fotoausdrucken – an einer Wand, an der ich immer vorbeikomme, so dass ich sie laufend gedanklich überarbeite.

 CUT! -RaumSchnitt V/IX Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019
CUT! -RaumSchnitt V/IX
Holz mit Acrylfarbe auf Plexiglas, 50 x 50 cm, 2019

Sie sind von der Innenarchitektur zur Bildenden Kunst gekommen. Beeinflusst die fachliche Ausbildung Ihre Arbeit – und wenn ja, wie?

Da ich von der Innenarchitektur meinen Weg zur Bildenden Kunst gefunden habe, liegt mir die Konzepterstellung sehr nahe, ebenso das Spiel mit (Material-)Kontrasten, Licht und Schatten. Die architektonische Auseinandersetzung und die Faszination für Konstruktionen, Kombinationen und Verh?ltnisse sind von Anfang an gegeben und finden sich sicherlich auch immer irgendwie in meinen Arbeiten wieder.

Den Zusammenhang meiner T?tigkeit als Innenarchitektin, d. h. vor allem Lichtplanungen und Umbauten, und meiner  jetzigen künstlerischen Arbeits- und Sichtweise m?chte ich in meiner n?chsten Werkserie gerne umsetzen: Die ?Entstehung von neuen R?umlichkeiten“, eine Kombination von Baustellencharme mit einer gro?en Prise aufzubringender Geduld.

Wer inspiriert Sie? Gibt es Vorbilder? 

Natürlich besch?ftige ich mich nach wie vor mit dem Thema Architektur, bin auf dem Laufenden, lese online, Zeitschriften. Ich freue mich aber vor allem immer wieder, auch andere aktuelle ?architektonische Bildwerke“, gemalt oder fotografiert, zu entdecken – und natürlich gebaute Architektur, mit viel Licht und Schatten. Die Bauhaus-Künstler, Richard Neutra, Carlo Scarpa und andere sind ebenfalls sehr inspirierende Quellen! 

Aber Vorbilder in dem Sinne, nein … es ist meine ganz eigene Formensprache!

A. W. Sch?ps – herzlichen Dank für die Einblicke hinter die Kulissen Ihrer Arbeit!

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