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Die Wahrheit liegt im Modell | Maurice van Tellingen in Karlsruhe: Kunst und/im/am Bau (3)

Ich mache mir die Welt, wie sie mir gef?llt – frei nach Astrid Lindgren. Oder ist es andersherum? Wir schaffen uns eine Au?enhülle aus Gegenst?nden, Objekten und Architektur, in und mit denen wir existieren. Ohne diese w?re unser allt?gliches Leben, überleben nicht m?glich. Womit umgeben wir uns? Was für eine ?Au?enhaut“ umgibt uns? Wie pr?gt sie uns?

Drs. Zeilstr. 21, 2011 (c) M. v. Tellingen

Die reliefartigen Modelle des niederl?ndischen Künstlers Maurice van Tellingen (deconarch.com-Interview mit Maurice van Tellingen) lassen uns – Guckkasten ?hnlich – auf Ausschnitte ganz allt?glicher Szenerien blicken. Ein Garagentor, der Gehweg, zweckm??igste Interieurs, ganz so, wie sie uns an jeder Ecke begegnen k?nnten, ganz so, wie wir sie dutzendfach tagein, tagaus übersehen.

Unsere Umgebung spiegelt, wer wir sind, sagt van Tellingen. In seinen Objekten spürt der Künstler der conditio humana nach – wir sind, wie, womit und worin wir leben. Seine Modelle sind menschenleer, die menschliche Gegenwart ist jedoch stets inh?rent. Die faszinierend detailreich gearbeiteten Objekte wirken nüchtern und sachlich, und doch scheint die Stimmung auf der Kippe zu stehen, ist eine Anspannung zu spüren, eine unheimliche, fast trostlose Wirkung entfaltet sich. Welche Geschichte lauert hinter dem leicht ge?ffneten Garagentor, wer hat die Spuren auf dem Gehsteig hinterlassen, was ist passiert in den Innenr?umen?

Zugleich fordern van Tellingens Objekte die perspektivische Wahrnehmung heraus.  Wie sehen wir R?ume ?richtig“, wie sehr lassen wir uns von der gewohnten Blickrichtung leiten?

Curtain, 2019 (c) M. v. Tellingen

Maurice van Tellingen lebt und arbeitet in Amsterdam. Studium an der Rietveld Academy for visual arts, Amsterdam, und der Rijks Academy for visual arts, Amsterdam. Zahlreiche Solo- und Gruppenausstellungen u.a. in den Niederlanden, Deutschland, Belgien, ?sterreich.

Maurice van Tellingen wird vertreten von der Galerie GALERIE PETRA NOSTHEIDE-E?CKE, Düsseldorf

Kunst und/im/am Bau
Warum machen Architekten Kunst? Warum setzen sich bildende Künstler mit Architektur auseinander? Wie schafft man Kunst am Bau, wie entstehen ortsspezifische Kunstwerke?

In der Ausstellungsreihe Kunst und/im/am Bau werden ausgew?hlte zeitgen?ssische ?architektur-künstlerische“ Positionen pr?sentiert, in Gruppen- ebenso wie in Einzelausstellungen. Themen sind dabei Kunstwerke, die sich mit architektonischen Fragestellungen besch?ftigen, aber auch Arbeiten, die sich direkt mit Architektur-Situationen auseinandersetzen – Kunst am Bau und Kunst im ?ffentlichen Raum.

Mit den Mitteln der Kunst kann die Aufmerksamkeit aus einer anderen Perspektive auf Architektur, Baukultur und ihre vielf?ltigen Einflüsse gelenkt werden. Eine künstlerische Herangehensweise er?ffnet mehr Freiheiten in der Auseinandersetzung mit der Architektur, als es klassische akademische Methoden erm?glichen, und ermutigt so zum Denken ?off the beaten tracks” – für Fachleute und Laien gleicherma?en. Ohne sich mit Fragen der Funktionalit?t und Realisierbarkeit aufhalten zu müssen, kann die künstlerische Perspektive frei reflektieren und beobachten, sie kann kritische Statements machen und auf Missst?nde hinweisen, sie kann vision?re Ideen entwickeln und Spielraum für Kreativit?t und Ideen bieten.

Kunst und/im/am Bau (3): Maurice van Tellingen
Die Wahrheit liegt im Modell
kuratiert von Dr. Simone Kraft
20.10.–13.11.2020
Architekturschaufenster, Karlsruhe ?
ab November 2020 Raumgalerie, Stuttgart

Die Ausstellung wird unterstützt von der Botschaft der Niederlande.

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