大发888英皇国际_诚信平台

Archicomics? Architektur im Comic

Strenge Raumkuben, fensterlos, W?nde aus hellgrauen, grob behauenen Gneisquadern, eine Akustik, die fast sph?risch anmutet, und schimmernde Formen- und Farbenspiele an den W?nden, die von Lichtquellen unter der Wasseroberfl?che rühren, zudem nur über einen unterirdischen Gang zu erreichen – die Bader?ume der Therme Vals von Peter Zumthor entfalten eine ganz eigene Atmosph?re. 

(c) Edition Verlag Moderne

Pierre ist von der Therme wie infiziert. Irgendetwas ist vorgefallen, das ihn nach Vals treibt. Er hat in Paris Architektur studiert, seine Abschlussarbeit über Zumthors Meisterwerk verfasst und dabei ein Geheimnis aufgespürt, ohne es jedoch zu fassen zu bekommen. Seine immer intensiveren Recherchen führen schlie?lich dazu, dass er das Manuskript vernichtet, krank wird, das Studium abbricht. Schlie?lich reist er nach Graubünden, um Antworten zu finden. Schon die Reise ist voller düsterer Vorzeichen ….

Lucas Hararis geheimnisvoller Thriller „Der Magnet“ ist eine Graphic Novel. Also ein – Comic? Ein Architektur-Thriller als Comic?[1]

 

Graphic Novels – Bildergeschichten für Erwachsene?

Eine erste Recherche zeigt, dass Graphic Novels Comic-Romane in Buchformat sind, die mit erz?hlerischer Komplexit?t auch ernsthafte Themen verarbeiten und sich an Erwachsene richten. Seit den 1980er-Jahren wurden sie immer popul?rer, bekannte Beispiele und quasi schon Klassiker des Genres sind etwa Art Spiegelmans mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnetes Maus. A Survivor’s Tale (1980), Frank Millers Sin City (1991/92) oder Persepolis von Marjane Satrapi (2000). Tats?chlich ist die Bezeichnung ?Graphic Novel“ vor allem ein Marketing-Kniff, um Comic-Erz?hlungen über das klischeehafte komische Erz?hlen hinaus auch als seri?ses Medium begrifflich zu etablieren – durchaus mit einigem Erfolg.

Seite aus „Asterios Polyp“ (c) deconarch.com

L?sst man sich auf das Genre ein, er?ffnet sich ein verblüffend vielschichtiges Feld. Aus der Perspektive der Architektur lassen sich verschiedenste Arten der Erz?hlung entdecken. Bauwerke als gebaute Bühne eines Geschehens wie bei Harari treten neben Stadtarchitekturen, die eigene Welten entwickeln – was w?re Batman ohne Gotham City? Es gibt Biografien von Architekten, fiktive wie reale (etwa Asterios Polyp oder Mies), aber auch Manifeste des eigenen Schaffens wie von den D?nen BIG. Architektonische Fragen k?nnen sich als Leitmotiv durch ganze Geschichten ziehen wie im Klassiker Asterix (?Asterix und Cleopatra“ oder ?Die Trabantenstadt“ behandeln durchaus scharfzüngig Facetten der Bauindustrie) oder etwas erwachsener in Jacques Tardis und Jean-Claude Forests bitterb?ser Groteske Hier selbst!

 

Comics lesen – komplexer als gedacht 

Taucht man noch tiefer in die Materie ein und besch?ftigt sich mit der Funktionsweise von Comics, begegnet eine eigenst?ndige Kunstform, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts – der Beginn des modernen Comics wird in der Regel in die Phase von 1895 bis 1897 in New York gelegt, als verschiedene Ausgaben von Richard Felton Outcaults ?The Yellow Kid“ in der Wochenendbeilage des ?The American Humorist“ erschienen – herausgebildet hat mit charakteristischen Elementen, die sie mit anderen Kunstformen teilt, dabei aber ganz individuell vereint – etwa mit visueller Kunst/Grafik, Theater, Film, Literatur. Je nach definitorischer Perspektive lassen sich Vorl?ufer des Comics bis in die Frühzeit finden, etwa in steinzeitlichen H?hlenmalereien, in pr?kolumbianischen Friesen, im Teppich von Bayeux, ….

Seite aus „Hier selbst“ (c) deconarch.com

Tats?chlich ist die Definition des Comics weniger einfach als man erwarten würde und in der Forschung bis heute nicht einstimmig gel?st. Die Comic-Forschung ist eine noch junge Disziplin, die erst seit den 2000er-Jahren verst?rkt publiziert, wohl auch, weil der Gegenstand lange als trivial abgetan wurde – ein Schicksal, das er etwa mit der Mode teilt, deren soziale, politische, wirtschaftliche und ?kologische Bedeutung durch ihre Popularit?t und den teils exzessiven Massenkonsum oft übersehen wird. In ?hnlicher Weise verbindet auch der Comic ?Low Culture“ und ?High Culture“ in einer Zwischenposition als vermeintlich einfach zu konsumierendes Massenmedium, das keiner der ?ernsthaften“ Kunstgattungen wirklich anzugeh?ren scheint (auch wenn die jüngeren Comics schon lange keine Auflagen wie Mickey Mouse und Asterix mehr erreichen).

 

Die Kunst der r?umlichen Sequenz 

Ein m?glicher Definitionsansatz bestimmt Comics nach Will Eisner als sequenzielle Kunst, als Abfolge von einzelnen gezeichneten statischen Bild-Panels.[2] Ein einzelnes Bild – ein Cartoon – macht demnach noch keinen Comic aus! Dazu tritt in der Regel die Verbindung von Text und Bild innerhalb eines Panels, also zwei verschiedene Zeichensystemen, die gleichzeitig wahrgenommen werden. (Dadurch unterscheidet sich der Comic von der klassischen Bildergeschichte, in der Bilder nur illustrierende Funktion haben.)

Zentral ist die formale Struktur des ?Panel-Rasters“, das den grundlegenden perzeptiven Charakter des Comics ausmacht: Der Zwischenraum zwischen den Bildfeldern, der ?Rinnstein“ (gutter), bringt den/die Leser*in in einer besonderen induktiven Denkleistung dazu, aus zwei Einzelbildern eine Sequenz zu sehen und daraus eine Geschichte zu machen.

Die nicht nur visuelle Gemeinsamkeit mit dem Film-Streifen ist hierbei kein Zufall. Der Erfolgszug des Comics setzt um 1900 etwa zeitgleich mit dem Erfolg des bewegten Bildes ein: W?hrend der Comic eine statische Bild-Folge ist, die sich r?umlich – über eine Seite hinweg – entwickelt, ist der Film eine dynamische Bild-Folge, die zeitlich abl?uft (man denke an das ?Rohmaterial“ auf der Bildrolle, wie ein Comic eine Aneinanderreihung einzelner Bildfelder: Wir nehmen Film als flie?ende Bewegung wahr, weil die einzelnen Aufnahmen in einer bestimmten Geschwindigkeit ablaufen, die das Auge „überlistet“). 

 

Architektur im Comic?

W?hrend jedoch ?Architektur und Film“ ein popul?res Thema ist, zu dem immer wieder Empfehlungslisten ver?ffentlicht werden und das bei Online-Suchen viele Treffer landet, ist das bei ?Architektur und Comic“ anders. Warum eigentlich? Ist das Medium Film ?mainstreamiger“ und mehr Massenmedium? Ist die zeitliche Wahrnehmung einfacher als die r?umliche – denn die Darstellungstechniken der Bildpanels selbst funktionieren in gewissem Rahmen sehr ?hnlich. 

Er?ffnet das Genre des Comics als r?umliches Erz?hlen in Bildern gerade für Architekten und Architektur, der raumbildenden Baukunst, besondere M?glichkeiten? 

In einem Seminar an der Hochschule Karlsruhe bearbeite ich das Thema mit Masterstudierenden; die Ergebnisse werden im Sommer im Schaufenster des ASF pr?sentiert und digital verfügbar gemacht. 


[1] Mehr zum Buch in meiner Rezension im dab online!

[2] Will Eisner, Comics & Sequential Art, Tamarac 1985 (dt.: Mit Bildern erz?hlen. Comics & Sequential art, Wimmelbach 1995).


Erw?hnte Literatur:

BIG / Bjarke Ingels:
Yes is more. An Archicomic on Architectural Evolution
K?ln 2010
Lucas Harari:
Der Magnet
Zürich 2018
Agustín Ferrer Casas:
Mies. Mies van der Rohe – ein vision?rer Architekt
Hamburg 2019
David Mazzucchelli:
Asterios Polyp
Frankfurt 2011
René Goscinny, Albert Uderzo:
– Asterix und Cleopatra, 1965
– Asterix: Die Trabantenstadt, 1971
Neuauflagen 2019, 2017
Jacques Tardi, Jean-Claude Forest:
Hier Selbst, 1979
Neuauflage: Zürich 2016

Comments are closed.

Translate »
大发888英皇国际 <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <蜘蛛词>| <文本链> <文本链> <文本链> <文本链> <文本链> <文本链>